leuchtende Aquarellfarben, die zum Teil granulieren

Aquarellfarben verstehen

Aquarellfarben sind (für mich) die schönsten Farben, die es gibt. Das ist vielleicht etwas falsch ausgedrückt oder missverständlich. Sie sind für mich die schönsten Malfarben. Sie sind so leuchtend, sie sind so effektiv, sie sind so vielseitig. Aber sie können auch unberechenbar und widerspenstig sein.

Warum ist das bei Aquarellfarben so? Sie leuchten.

leuchtende Aquarellfarben, die zum Teil granulieren
Ausschnitt Aquarell; leuchtende Farben, die zum Teil granulieren und sich bei der Mischung untereinander unterschiedlich verhalten.

#1 Es sind Pigmente und diese sind in den Aquarellfarben sind wahnsinnig fein zerrieben. Viele Pigmente selbst sind transparent.
Warum ich die Pigmente erwähne, weil im Gegensatz dazu Tinten keine Pigmente sind. Bei den Tinten löst sich der Farbstoff in der Flüssigkeit. Bei den Aquarellfarben löst sich der Binder in Wasser und die Pigmente „schweben“ ganz, ganz fein darin.

#2 Beim Aquarell ist der Binder wasserlöslich und beeinflusst das Ergebnis kaum.
Das stimmt nicht ganz, denn die Menge des Binders verändert die Oberfläche der getrockneten Farbe auf dem Papier.

#3 Beim Aquarell findet man ganz selten mal Füllstoffe oder Zusatzstoffe. Gute Aquarellfarben bestehen aus dem Pigment, dem Binder und eventuellen „Feuchthaltern“. Die „Feuchthalter“ (Wenn jemand den richtigen Namen weiß, bitte in den Kommentaren reinschreiben.), z.B. Glyzerin, sorgen für eine gute Anlösbarkeit der Farben in den Näpfchen oder gute Verteilung mit dem Pinsel.

#4 Aufheller als Zusatzstoff: Das ist eine neue Entwicklung bei den Aquarellfarben. Früher konnte man ein spezielles Pigment kaufen, das unserer Tageslicht verstärkt, indem es für uns nicht sichtbares Licht veränderte und damit für uns sichtbar machte. Mischte man dies fein in die Aquarellfarben, konnte man entsprechende leuchtende Farben noch leuchtender machen. Wir kennen das von Neonfarben. In der Aquarellmalerei war lange das Papierweiß die hellste Farbe, doch zwischenzeitlich gibt es immer mehr Farbtöne mit Aufhellern. Es gibt ganze Farbkästen mit Neonfarben. Und gerade in Verbindung mit den transparenten Aquarellpigmenten und hellem, schön weißem Aquarellpapier entstehen außergewöhnliche Effekte.

Mehr Infos zum Binder der Aquarellfarben

Was wird denn seit jeher als Binder genommen? Was ist der Binder eigentlich?

Der Binder hält zuerst einmal die fein zermahlenen Pigmente im Näpfchen fest. Der Binder ist wasserlöslich. Der Binder sollte transparent sein und bleiben, also nicht vergilben. Der Binder wird hart, wenn der Wasseranteil darin austrocknet. Er sollte dabei aber etwas flexibel bleiben.

Seit jeher wird Honig als Binder genommen. Dieser wird sicher vorher irgendwie gereinigt. Später entdeckte man das Gummi Arabicum, was zum häufigsten Binder bei Aquarellfarben wurde. Siehe auch Wikipedia zw. Gewinnung und Herkunft: LINK

Wer schon mal richtig alte Farbkästen gesehen hat, hat sicher festgestellt, dass diese alten Aquarellfarbsteine ganz leicht zerbrechen und die Farben schwer angelöst werden können. Ihnen fehlt ein heute üblicher Zusatzstoff, das Glyzerin. Dieses sorgt für bessere Anlösbarkeit und verhindert bzw. verlangsamt die Alterung der Farben in den Tuben oder Näpfchen.

Neuerdings sind auch Aquarellfarben auf dem Markt, die mit anderen Bindern arbeiten. Dies sind künstliche Binder, deren Eigenschaften abweichen können. Die Farben trocknen schneller, langsamer oder gar wasserfest auf.

Beispiele

  • QOR vom Hersteller Golden mit Bindemittel Aquazol.
  • Aquacryl von Lascaux mit einem speziellen Acrylharz
  • sicher gibt es weitere. Bitte in den Kommentaren ergänzen.

Noch etwas zu den Pigmenten

Die Pigmentauswahl, Pigmentqualität macht einen riesen Unterschied bei den Farben. Und sie sorgen für die hohen Preisunterschiede bei den einzelnen Farbtönen. Manche Hersteller bieten Ihre Aquarellfarben in bis zu 8, neuerdings sogar 11 Preisstufen an.

Die Farbtöne entstehen oft durch ein einzelnen Pigment, manche Farbtöne entstehen aber auch durch vorgefertigte Pigmentmischungen. Manche Hersteller bieten nahezu nur pure Pigmentfarben an, d.h. sie setzen bewusst auf den Künstler, der die restlichen Farbtöne ermischen muss.

Es gibt natürlich vorkommende Pigmente, wie verschiedene Erden (Sienna, …) , Steine, Asche, Ruß, Edelsteine. Da ist es leicht nachzuvollziehen, dass die Preise extrem schwanken.

Natürlich sind viele Farbtöne auch chemisch erzeugt und basieren auf Reaktionen von Kobalt, Kadmium, Chrom, ….
Das zeigt auch, warum manche Farben aktuell (2022) immer teurer werden. Kobalt wird nun immer mehr für Akkus verbraucht und lässt die Farbenhersteller „erblassen“.

Was ist noch wichtig bei den Aquarellpigmenten?

Beim Mischen der Farben fällt auf, dass es Paarungen gibt, die sich gut durchmischen, sich eher abstoßen oder sich feine Äderchen beim Mischen ausbilden. Auch fällt auf, dass einige Mischungen sich beim Trocknen stark verändern. Sie granulieren oder verändern sich in eine der beiden Ausgangsfarbtöne. Dieses Verhalten liegt nicht nur an dem Verhalten der chemischen Elemente / Moleküle zueinander, sondern auch das Gewicht und die Korngröße gehen hier ein. So können sich Kombinationen gleicher Farbtöne unterschiedlicher Hersteller gänzlich unterschiedlich verhalten.

Das merkt man immer dann sehr stark, wenn man etwas aus einem Kurs nachmalen will, dann aber anderes Papier, anderes Wasser und einen anderen Hersteller für seine Farben hat.

Aquarellfarben sind sehr, sehr vielfältig und bei jedem Farbton, jedem Hersteller, jeder Herstellerserie kann man eigene Beobachtungen machen. Daher wäre es toll, wenn hier in den Kommentaren auch dazu einiges käme.

(c) Piet, Mal-Tipps.de

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