kleiner, gebrauchter Aquarellfarbkasten

Aquarellfarben im Test

Gerade als Anfänger fragt man sich welche Aquarellfarben man kaufen soll. Da greift man gerne auf existierende Tests zurück. Da kann man im Internet nach „Aquarellfarben Test“ suchen und bekommt dann eigentlich immer die teuren Farben bekannter Hersteller empfohlen. Doch sind immer die teuren Farben notwendig?

Bleiben wir mal bei einem Aspekt einer solchen Empfehlung. Es geht um die Marke, den Hersteller. Ich glaube, wenn man sich Farben eines renommierten Herstellers kauft, kann man nichts falsch machen. Diese Hersteller haben über Jahre, über Jahrzehnte bewiesen, dass sie wissen, was sie machen.

Neuerdings lassen aber auch diese Hersteller einige Farbserien außer Landes produzieren. Das bedeutet oft, das man die gleichen Farben auch unter anderen Markennamen wesentlich günstiger bekommt. Doch diese Information wird sehr geschützt und man bekommt nur spärlich mit, welche Serien auch unter anderen Markennamen erhältlich sind. Nachteil dabei ist, dass man selten einzelne Farben bekommt, sondern immer nur ganze Farbkästen.

Also auch meine Empfehlung: bleiben Sie bei einem bekannten Hersteller.

Was viele Anfänger nicht wissen, ist der Umstand, dass die Hersteller meist zwei oder gar drei qualitativ unterschiedliche Serien produzieren. Von günstig für die Schule und Ausbildung, über eine Studienfarbe (nicht Studiofarbe) bis zur echten Künstlerqualität.

Die Künstlerqualität kostet meist das Doppelte bis zum Dreifachen der niedrigeren Serie. Hierbei wird auch von Hersteller größter Wert auf die Lichtechtheit, die Reinheit, Ergiebigkeit und Brillanz der Aquarellfarben gelegt. Als Künstler, der seine Werke verkauft, sollte man auf die lange Haltbarkeit der Werke größten Wert legen, daher arbeiten Künstler mit echten Künstlerfarben.

Warum ich „echte Künstlerfarben“ schreibe? Ich sehe so viele Farbkästen mit der Aufschrift Künstlerfarben, dass einem klar sein muss, dass das gar nicht möglich ist. Meist ist der Preis schon ein Hinweis, dass das nur ein Werbeaufdruck ist.

Nun zu den Studienfarben. Diese Farben bekommt man meist schon für die Hälfte oder gar noch günstiger. Warum? Nun da sparen die Hersteller etwas am Material. Jeder Hersteller macht dies anders. Aber meistens wird bei den Pigmenten gespart. Die Pigmente der Aquarellfarben können heftig teuer sein. Ich habe kleine Tuben, da würde ein einziger Liter, Tausende Euros kosten.

Wie wird nun gespart? Nehmen wir eine teure Künstlerfarbe, die ein einziges mineralisches Pigment enthält. Die Farbe hat ein bestimmten Farbton, eine bestimmte Transparenz, eine Brillanz und ein bestimmtes Fließ- und Mischverhalten. Da das Pigment sehr teuer ist, wird der Hersteller die Farbe entweder nicht anbieten oder aber nachbilden. Er mischt mit günstigen Pigmenten eine Farbton, der dem „Original“ sehr nahe kommt. Die anderen Eigenschaften des Originals werden einfach ignoriert. Somit kann er einen Farbton, z.B. Kobalttürkis auch in günstigen Serien und Farbkästen anbieten. Vielleicht heißt er anders, aber er wird für den Anfänger kaum zu unterscheiden sein.

Dann muss man noch wissen, dass unterschiedliche Hersteller mit unterschiedlichen Bindemitteln arbeiten. Manche benutzen bei Aquarellfarben Honig, andere Gummi Arabicum, andere ein wasserlösliches Harz und fügen den Farben dann noch weitere Stoffe hinzu, die Deckkraft, Fließfähigkeit, Anlösbarkeit und Glanzgrad nach der Trocknung verändern.

So und nun zu „Aquarellfarben im Test“.

Wofür sollen die Farben sein? Für den Anfänger, für den Profi? Was dürfen sie kosten? Was sollen sie kosten?

Was ich selbst benutze und kenne:

Hersteller Lukas, Schmincke, Daniel Smith, Lascaux, Blockx, Sennelier, Winsor & Newton und noch ein paar andere, die (bei mir) weniger rellevant sind.

Im Jahrelangen Test meiner Aquarellfarben haben sich folgende Eigenheiten herauskristallisiert:

  • Lukas Serie Studio: gut
  • Lukas Serie 1862: sehr gut, wunderschöne Farben, manche deckender als bei anderen Herstellern
  • Schmincke Studio: überraschend gut, leicht anlösbar und ergiebig
  • Schminke Horadam: in jüngster Zeit ist das Angebot an Farben deutlich ausgeweitet worden. Nicht nur bei den Farbtönen sondern auch bei den Eigenschaften. Aus der Tube, meine erste Wahl.
  • Daniel Smith: Hat vor einigen Jahren den Markt mit seinen außergewöhnlichen Farben und der riesigen Vielfalt aufgemischt und endlich eine Modernisierung nahezu aller Hersteller angestoßen.
    Manche Farbtöne hole ich von denen. Manche sind unerreicht. (z.B. Australian Red Gold)
  • Lascaux Trocknen fester auf, sind schwerer wieder anlösbar auf dem Papier. Kann man toll für Lasurarbeiten nutzen. Tolle Farben mit einem Acrylbinder
  • Blockx Besser (und teurer) geht kaum. Vor allem liebe ich die 18ml- Prozellanschälchen. Aber da geht ein Set schon mal über die 200er oder gar 300er-Euro Grenze.
  • Sennelier Ein sehr „alter“ Hersteller, der weiß was er macht. Hier kann man nicht falsch liegen.
  • Winsor & Newton beide Serien. Die Farben erkenne ich an der Anlösbarkeit. Kein anderes Produkt reagiert so schnell auf Wasser. Farbkasten auf und Loslegen ist hier das Motto. Auch dieser Hersteller weiß, was er macht.
  • Einige meiner Freunde sind auf Mijello gewechselt. Sie sind begeistert. Allerdings habe ich diese Farben, basieren auf Honig, noch nicht probiert.
  • Ich benutze bei meinen Aquarellen gerne auch noch die Gouache von Lascaux. Sie verhält sich verdünnt , nahezu wie eine Aquarellfarbe, kann aber bei Bedarf dann auch mal deckend eingesetzt werden.

Das war nun also kein Aquarellfarben-test im eigentlichen Sinne. Dennoch dürften hier mehr Informationen drin stecken, als wenn ich zwei oder drei Farbkästen miteinander vergleiche.

Lassen Sie mich wissen, wenn Sie meine Meinung bezüglich der Farben ergänzen wollen oder Fragen haben. Kommentare sind erwünscht.

(c) Piet, Mal-Tipps.de

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