Aquarellfarben mischen

111 Tipps für’s Aquarell malen

Tipp 4 bis 6 unserer Serie 111 Tipps zum Malen mit Aquarellfarben

Aquarellfarben nie direkt aus dem Näpfchen nehmen.

Natürlich nimmt man die Farbe aus dem Näpfchen. Man sollte aber nie direkt zum Papier gehen, denn man nimmt zu leicht kleinen ungelöste Farbteilchen mit, die dann unschöne Striche auf dem Papier hinterlassen können. Das Problem wird umso stärker, je älter die Aquarellfarben in den Näpfchen ist. Eigentlich ist es nicht das Alter sondern eher die Anzahl, wie oft diese schon nass wurden und wieder ausgetrocknet sind. Ursprünglich geben die Hersteller, ich will es mal “Weichmacher” hinzu, die das Anlösen der Farbsteine unterstützen. Wenn man die Farben öfters anlöst und Farbe abhebt, dann scheint dieses Hilfsmittel sich zu verlieren und die Aquarellfarben trocknen eher brüchig wieder ein. Dann kann man später schnell mal kleine Farbpartikel mit dem Pinsel aufnehmen, die auf dem Papier häßliche Marken hinterlassen. DAHER: zur Sicherheit einfach die Farbe aufnehmen und in der Palette etwas anlösen, damit keine Farbpartikelchen mehr im Aquarellpinsel vorhanden sind.

Natürlich kann man als erfahrener Aquarellist genau dieses Verhalten auch wieder einsetzen um seine Vorstellungen umzusetzen. Aber das braucht Erfahrung im Umgang mit jedem einzelnen Näpfchen in seinem gewohnten Kasten.

Die Zonen eines Aquarellpinsels

Was dem Anfänger zu Beginn nicht bewusst ist, sind die Zonen eines Aquarellpinsels. Ein Aquarellpinsel, egal ob Rundpinsel, Flachpinsel oder andere Arten, haben einen Spitzenbereich und einen “Wasser-/Farbbauch”. Eigentlich sagt man Körper dazu, aber schon der Begriff Wasserbauch bzw. Farbbauch sagt schon wieder einiges aus. Habe ich einen Wasserbauch und male mit diesem Pinsel, wo wird beim Strich die Farbe nach und nach transparenter, da der Wasseranteil zunimmt. Habe ich einen Farbbauch, so ist der Körper mit Aquarellfarbe gesättigt und der Pinselstrich wird farblich vom Anfang bis zum Abriss weitgehend identisch sein.

Wie bekomme ich einen Wasserbauch? Zuerst löse ich mir Farbe aus meinem Näpfchen, übertrage diese auf meine Palette und verdünne diese bis zum gewünschten Grad. Bei Farbbauch verwende ich den Pinsel nun direkt, denn er ist durch und durch mit der Aquarellfarbe durchtränkt bzw. gefüllt. Beim Wasserbauch gehe ich her und reinige den Pinsel zuerst, fülle ihn mit frischem Wasser, streife etwas Wasser ab und hole dann nur mit der Spitze des Pinsels etwas Farbe. 

Noch ein Trick dazu: Der Bauch und die Spitze müssen nicht zwangsläufig mit der gleichen Aquarellfarbe (Farbton) gefüllt sein. So kann ein Pinselstrich von Rot über Braun zu Grün wechseln. 

Die Haltung des Aquarellpinsels in Bezug auf Druck

Erstmal: Die meisten Aquarellpinsel vertragen zu viel Druck nicht. Man sollte NIE so stark aufdrücken, dass beinahe oder sogar wirklich die Zwinge auf dem Papier aufsetzt.

Es gibt verschiedene Aquarellpinsel, die sich in der Funktion und Nutzung unterscheiden.  

Fangen wir mal mit den dünnen, langen Aquarellpinseln an. 

Die Liner (engl.), Linierer, Schlepper

Sie sind für lange, dünne Striche da und legen sich bei mehr Druck auf das Papier ohne viel breiter zu werden. Malt man sehr gerade Striche, kann das von Vorteil sein, dass eine gehörige Strecke des Aquarellpinsels aufliegt. sobald man aber in die Kurve will, wird dies zum Nachteil und er schwenkt aus, wie ein großer langer LKW.

Für uns bedeutet das. Mehr Druck und Auflage bei Geraden und extrem wenig Druck bei Kurven. In den Kurven hebt man den Pinsel nahezu ab, sodass wirklich nur die Spitze das Papier berührt. Das sollte man vorher durchaus mal üben!

Die Rundpinsel mit Spitze

Diese sind sehr variabel in der Anwendung. Bei leichtestem Druck sind kleinste Striche und Punkte möglich. Etwas mehr Druck, so dass der Pinselkörper aufsetzt, dann kann man größere Formen, Striche oder Flächen bemalen.

Jeder dieser Pinsel hat oder entwickelt mit der Zeit ein bevorzugte Zugrichtung, denn die feinen Haare haben eine leichte Vorliebe für die Biegung. Diese Zurichtung sollte man erkennen und berücksichtigen.

Rundpinsel ohne spezielle Spitze, Verwaschpinsel

Diese sind dazu gedacht mit dem Körper der Pinselhaare größere Flächen auszufüllen, Verläufe anzulegen, das Papier im Vorfeld oder später anzufeuchten.

Der Flachpinsel

wenn man diesen Pinsel nur mit der Spitze aufsetzt und dann in eine Richtung zieht, kann man ganz tolle Formen und Striche erreichen. Auf Druck reagiert er meist ungnädig. Etwas zu viel Druck und die Spitzen der Haare heben ab und man erhält keinen konstanten Kontakt zum Papier mehr. Die Farbe reißt ab. Das kann man gewollt als Granulieren einsetzen.

Der Druck auf einen Pinsel ist eine ganz große Übungssache und hängt auch ganz schwer von den Haaren selbst ab. Es gibt sehr weiche Pinsel, mit oder ohne Spannkraft und auch recht harte, widerborstige Pinsel. Jeder Pinsel ist anders, daher ist es gut, seine Pinsel erst mal kennen zu lernen.

(c) Piet, Mal-Tipps.de

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