111 Tipps für’s Aquarell malen (Tipp 7 bis 9)

Tipp 7: Die Neigung des Aquarellpinsels

Ein Pinsel ist sogar noch etwas heftiger in Bezug auf die Neigung, wie zum Beispiel ein Füller oder ein Kugelschreiber. Auch bei diesen gibt es Bereiche in denen sie arbeiten und ab einer gewissen Neigung tun sie einfach nicht mehr.

Bei Pinseln ist es ähnlich, bzw. noch schlimmer. Und man muss auch noch unterscheiden, welches Medium, welche Farbe man benutzt. Ein Pinsel verhält sich bei Ölfarbe, bei Acrylfarben oder bei Wasserfarben gänzlich anders.  

Doch bleiben wir hier bei Aquarell bzw. den Aquarellpinseln.

Bei diesen Pinseln ist nicht nur die Neigung zum Papier entscheidend sondern auch die Bewegungsrichtung. Ziehe ich in die Richtung in die mein Pinselstiel zeigt, so  habe ich eine geradlinige Bewegung und einen sauberen Fluß der Aquarellfarbe. Ziehe ich den Pinsel quer dazu, und neige ihn stark, springt der Körper förmlich über das Papier und der Fluß ist reduziert. Es kommt dann zu Farbunterbrechungen, deren Aussehen maßgeblich von der Oberfläche und Feuchtigkeit des Papiers beeinflusst werden.  Man nennt das Granulieren, wenn nur an den erhöhten Stellen des Papiers die Farbe hängen bleibt.  Man setzt dies gerne bei der Darstellung von Wasser ein.

Neige ich den Pinsel so, dass der Körper nicht aufsetzt und nur die Spitze das Papier berührt kann ich auch quer sehr schön den vorgegebenen Rändern (Skizze) folgen.

Ich sehe dabei besser, den Rand des Pinsels.

Tipp 8: Wasser seine Härte und Wärme

Wasser bei Acrylfarben ist einfach zum Verdünnen da. Ich hätte nie bemerkt, dass die Härte des Wassers da etwas ausmacht. Warmes Wasser beschleunigt die Trocknung, noch wärmeres Wasser noch mehr, kann aber auch zu unerwünschten Effekten führen, da Acrylfarben bei heißem Wasser sofort langkettige Moleküle bilden und aushärten oder ausflocken.

Doch hier soll es ja hauptsächlich um Aquarellfarben gehen. Auch hier gilt, Wärme hilft. Es verbessert den Fluss und sorgt für eine schnelle Löslichkeit und Trocknung, ABER !!!

Was macht das Papier?  Was macht die Leimung des Papiers? Und was geschieht mit meinem Pinsel?

Je wärmer das Wasser, desto wahrscheinlicher sinkt die Farbe in die Leimung bzw. in das Papier ein. D.h. wir können Farbe nicht mehr abheben bzw. eventuelle Fehler korrigieren.

Je wärmer das Wasser desto gefährdeter ist auch unser Pinsel. Das betrifft die Haare, ganz früh schon bei Kunsthaarpinseln und auch die Leimung der Haare in der Zwinge. Wenn sich die Haare kräuseln oder ausgehen, dann war das Wasser wohl doch zu heiß.

Jetzt mal zur Härte:

Wasser hat eine Härte. Nicht gewusst? – Die Härte wird bestimmt durch die Inhaltsstoffe im Wasser, hauptsächlich den Kalk. Je mehr Kalkprobleme Sie im Bad haben, desto härter dürfte ihr Wasser sein. 

Wir hatten in Süddeutschland recht hartes Wasser (ca. 20 Grad DH) und immer Kalkflecken und Kalkkrusten im Bad. Nach unserem Umzug hier ins Oberbergische bei Köln, sind diese Probleme wie weggefegt. Denn hier ist das Wasser sehr weich und enthält nahezu keinen Kalk.

Doch was hat das mit dem malen von Aquarellbildern zu tun?

In Süddeutschland hatte ich immer Probleme mit sauberen Farbverläufen und immer viele Trocknungsränder. Hier ist das anders. Farben verlaufen schön auf dem Papier, trocknen viel gleichmäßiger auf und sind einfacher zu mischen.

Wer trockenes Wasser hat   — QUATSCH — Wer hartes Wasser hat, kann sich mit Wasser aus anderen Regionen behelfen oder aber man kauft sich mal 5 Liter destilliertes Wasser für 2 bis 3 Euro und hat auf Monate oder gar Jahre Ruhe.

Noch länger, wenn man wie eventuell auch bei Ihnen üblich, zwei Wassergefässe benutzt. Eines fürs Auswachsen der Pinsel und eines für die Aufnahme frische Wassers zum Malen. 

Tipp 9 – Papier anfeuchten? Ja oder Nein

Beim Aquarell das Papier anfeuchten? Ja UND Nein

Es hängt wirklich vom Motiv und dem künstlerischen Ziel ab.

Worin liegen denn die Unterschiede? 

Bei nassem Papier verliert man einen Teil der Kontrolle des Farbflusses, der Farbverteilung. Je mehr Wasser im Papier bzw. auf dem Papier steht, desto weniger Kontrolle hat man. Einen Teil der Kontrolle kann man durch anwinkeln / anstellen des Papiers erreichen. Ein Großteil der Farben fließt dann nach unten.

Auch die Ränder der Pinselspuren verwischen, alles wirkt etwas verschwommen (im wahrsten Sinne des Wortes). Eine ideale Möglichkeit um Dinge in der Ferne darzustellen, denn auch bei der atmosphärischen Perspektive fangen Dinge in weiter Ferne an zu verschwimmen. D.h. für uns als Maler, dass wir z.B. den Hintergrund eines Aquarellbildes auf nassem Papier anlegen und die Zwischenebene und den Vordergrund auf trockenem Papier vollenden. Schon alleine dadurch erreichen wir eine gewissen perspektivische Wirkung.

Wenn wir also von realistischen Motiven ausgehen, bei denen Perspektive gefragt ist, dann beginnen wir auf angefeuchtetem Papier.

Nasses Papier dehnt sich etwas aus und fängt an Wellen zu schlagen. Die Auswirkungen wachsen mit der Wassermenge und sinken mit der Dicke, Schwere, Grammatur des Aquarellpapiers. Wann immer man anfeuchtet, sollte man darauf achten, daß die Ränder des Papiers fixiert sind und bis zur vollständigen Trocknung fixiert bleiben, dann spannt sich das Papier wieder und zieht sich selbst glatt.

Siehe mehr hierzu unter dem Stichwort “Aquarellpapier aufspannen”.

Ich selbst arbeite nahezu nur auf trockenem Papier. Das erleichtert mir die Steuerung der Farbe und der Farbverläufe. UND ich kann immer noch später bestimmen, ob ich bei der harten Farbkante bleiben will oder diese verschwimmen lassen will.

Dazu habe ich mehrere Möglichkeiten. 

a) Nasse Farben dicht nebeneinander zu setzen und dann mit einem neutralen Pinselstrich verschwimmen lassen ODER

b) Solange die Farbe noch nass ist, mit dem durstigen Pinsel Farbe abzuheben ODER

c) einfach mit einem feuchten Pinsel über die Kante zu streichen, einmal oder mehrfach; mit oder ohne Abnehmen vo Farbe ODER

d) den Bereich nachträglich mit einem feinen Sprühnebel anfeuchten.

(c) Piet, Mal-Tipps.de

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